Intermittierendes Fasten – alle Nährstoffe an Bord?

Das Intervallfasten liegt schon länger im Trend und hat bereits vielen Menschen geholfen, das Gewicht zu kontrollieren. Die Idee dahinter ist schlicht und das Konzept lässt sich leicht umsetzen. Echte Fans haben ihre Ernährung komplett darauf eingestellt bzw. legen immer wieder 16/8-Ernährungsphasen ein, weil sie damit gut zurechtkommen. Acht Stunden essen, 16 Stunden fasten oder auch zwei Tage fasten und fünf Tage essen – die HELENA-Studie hat gezeigt, dass Intervallfasten zu einer Kalorienrestriktion führen kann, die dem Kalorienzählen mit einer beabsichtigten Kalorienreduktion um etwa 20 % gleichkommt.1

Verbesserung des Gesundheitszustandes

Laut HELENA-Studie verbessert sich der Gesundheitszustand durch kalorienrestriktives Essen deutlich, unabhängig davon, ob Kalorien gezählt werden oder im Intervall gefastet wird. Es kommt zur

  • Gewichtsabnahme,
  • Verringerung von viszeralem Fett,
  • Abnahme von Fettablagerungen in der Leber.

Schon ein kleiner Diäterfolg ist ein großer Gewinn – das stellte die HELENA-Studie ebenfalls fest.1 Jedoch gibt es natürlich Unterschiede und ein Für und Wider, das in Tab. 1 festgehalten ist.

Diätform ist Geschmackssache

Anscheinend macht das Intervallfasten im Vergleich zum Kalorienzählen auch keinen Unterschied in Bezug auf Stoffwechselwerte, Biomarker und Genaktivitäten. Am Ende ist es Geschmacksache, wie jede:r Einzelne zur Kalorienrestriktion und damit zum Gewichtsverlust kommt – allerdings ist für viele das Kalorienzählen deutlich anstrengender als das zeitrestriktive Essen – Ernährungs-App hin oder her.

Beide Diätformen bergen Risiken

In einer kürzlich publizierten Untersuchung zeigte sich, dass Intervallfasten ebenso wie die kalorienrestriktive Ernährung Risiken bergen kann, wenn sie schlecht gemacht ist: Es sollte dabei unbedingt auf eine nährstoffdichte Ernährung geachtet werden. Insbesondere die Mikronährstoffe Kalzium, Magnesium, Kalium und einige Vitamine wie Folsäure, Vitamin C und einige B-Vitamine können beim Intervallfasten in zu geringer Menge aufgenommen werden.2 Als Grund dafür wird vermutet, dass beim Intervallfasten und bei der Kalorienreduktion insbesondere Kohlenhydrate – und hier Vollkornprodukte – eingespart werden. Vollkornprodukte sind eine Quelle für B-Vitamine, aber auch Kalzium, Magnesium, Eisen und Kalium.2 Etwa jede:r Fünfte hat ein Defizit bei zehn Mikronährstoffen.2 Um Versorgungslücken vorzubeugen, können Nahrungsergänzungsmittel hilfreich sein.

Tipps für die Praxis

  • Raten Sie Patient:innen, die sich für das Intervallfasten interessieren oder die bereits positive Erfahrungen damit gemacht haben, nicht nur zu bestimmten Zeiten zu essen, sondern auch gut auf die Nährstoffe zu achten.
  • Ernährungs-Apps bzw. Nährstoff-Tracker können dabei helfen.
  • Achten Sie bei Patient:innen, die sich kalorienrestriktiv ernähren, besonders auf das Wohlbefinden und Zeichen eines Nährstoffdefizits (Blässe, Müdigkeit, Muskel- und Gliederschmerzen, brüchige Haare und Nägel)

[1] Schübel, R et al. Effects of intermittent and continuous calorie restriction on body weight and metabolism over one year: a randomized controlled trial. Am J Clin Nutr 2018;108(5):933–945 

[2] Wallerer S, et al. Impact of intermittent fasting on micronutrient intake. Curr Opin Clin Nutr Metab Care 2025;28(6):503–508