Sensibel, schlau, kreativ – Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Aufmerksamkeits-Defizit-/Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) haben viele Eigenschaften, die sich andere wünschen. Betroffene tragen dabei aber eine besondere Last: Sie haben starke Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen, sind oft impulsiv und leiden an einer ausgeprägten körperlichen Unruhe. Um diese Symptome in den Griff zu bekommen, werden neben psychotherapeutischen Interventionen häufig Medikamente benötigt. Wie Studien jetzt zeigen, kann eine nährstoffreiche Ernährung unterstützend wirken und helfen, die Medikamentendosis zu reduzieren.1-3
Gute Datenlage für Zink und Eisen
So konnte in einer asiatischen Studie gezeigt werden, dass Kinder mit Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen einen Zink- und Eisenmangel haben können. Beobachtet wurde dies bei 101 Schulkindern im Alter von sechs bis elf Jahren. Durch die Supplementierung der beiden Spurenelemente konnten die Konzentration und das Gedächtnis verbessert werden.3 In einer weiteren Studie mit Kindern, bei denen ein ADHS diagnostiziert worden war, konnte Zink zwar die Symptome der Erkrankung, wie beispielsweise die Konzentrations- und Aufmerksamkeitsschwäche, nicht bessern. Jedoch wurde es durch die Supplementierung möglich, die Dosis an Amphetaminen zu reduzieren.4 Es zeigte sich als vorteilhaft, die tägliche Zink-Dosis auf zweimal 15 mg morgens und abends zu verteilen.
Omega-3-Fettsäuren empfehlen
Anders als bei der Supplementierung von Zink und Eisen kann eine gute Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren direkte Effekte auf die Hyperaktivität, die Impulsivität und die Aufmerksamkeitsstörungen bei Kindern und Erwachsenen mit ADHS haben (Abb. 1).1,2 Der Effekt ist umso größer, wenn zuvor ein Mangel vor allem an Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) bestand.1 Omega-3-Fettsäuren unterstützen die Gehirnfunktion sowie kognitive Leistungen und reduzieren Hyperaktivität und Impulsivität.1-2 Ein international zusammengesetztes Expert:innengremium befürwortete, täglich 750 mg EPA und DHA für einen Zeitraum von zwölf Wochen zu empfehlen. Haben sich in diesem Zeitraum keine Besserungen der Symptome ergeben, könne die Supplementierung wieder beendet werden, wenn nicht ohnehin ein Mangel an diesen Fettsäuren besteht.1 Als gute natürliche Quellen für Omega-3-Fettsäuren gelten fetter Seefisch, Algen-Öl, Walnüsse und Olivenöl. Alternativ können Nahrungsergänzungsmittel verwendet werden.
Fazit für die Praxis
Bei ADHS kommen in erster Linie eine Pharmakotherapie und psychosoziale Interventionen zum Einsatz. Jedoch sind für Betroffene und ihre Familien häufig auch adjuvante Ansätze zur Behandlung von ADHS interessant. Sie werden immer beliebter.1 Die Supplementierung mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren wie den Omega-3-Fettsäuren ist zwar (noch) nicht in Leitlinien zur Behandlung von ADHS enthalten. Dennoch können sich Patient:innen dafür entscheiden, sie anzuwenden und damit Erfolge zu erzielen. Omega-3-Fettsäuren können die ADHS-Therapie sinnvoll unterstützen. Dies gilt auch für die beiden Spurenelemente Zink und Eisen.
[1] Banaschewski, T et al. Supplementation with polyunsaturated fatty acids (PUFAs) in the management of attention deficit hyperactivity disorder (ADHD). Nutr Health 2018;24(4):279–284
[2] Chang, JPC et al. Omega-3 Polyunsaturated Fatty Acids in Youths with Attention Deficit Hyperactivity Disorder (ADHD): A Systematic Review and Meta-analysis of Clinical Trials and Biological Studies. Neuropsychopharmacology 2018;43(3):534–545
[3] Chaudhary, JPC et al. A study of iron and zinc deficiency on short term memory in children and effect of their supplementation. Asian J Biomed Pharmaceut Sci 2015; doi: 10.15272/ajbps.v5i42.664
[4] Arnold, LE et al. Zinc for Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder: Placebo-Controlled Double-Blind Pilot Trial Alone and Combined with Amphetamine. Child Adolesc Psychopharmacol 2011;21(1):1–19
[5] Husssain, G et al. Fatting the brain: a brief of recent research. Front Cell Neurosci 2013;7:doi: 10.3389/fncel.2013.00144
