Die Darmflora spielt eine wichtige Rolle im kardiovaskulären System. Darm und Herz sind quasi über das Mikrobiom verknüpft. So synthetisiert eine Mikrobiota mit der richtigen Zusammensetzung und Verteilung im Darm beispielsweise Enzyme, die aus Ballaststoffen kurzkettige Fettsäuren (SCFAs), z. B. Acetat, Propionat und Butyrat produzieren. Die SCFAs verstärken die Produktion von Interleukin-18, das an der Integrität der Darmbarriere beteiligt ist. Ist die Darmbarriere intakt, bietet sie Schutz vor Autoimmunerkrankungen und Entzündungsprozessen, aber auch vor Adipositas und Blutdruckerhöhung (Abb. 1).
Eine weitere wichtige Aufgabe des Mikrobioms ist auch die Produktion von Mikronährstoffen, allen voran von B-Vitaminen und Vitamin K.1 Daneben spielen sie für den Gallensäurestoffwechsel eine Rolle.

Abb. 1 Bedeutung der Darmflora im kardiovaskulären System [modifiziert nach Dubinski1]
Negative Effekte des Mikrobioms
Bei einer Dysbiose kann sich der Schutz der Darmbarriere aufheben. Zu viele Gram-negative Bakterien mit Lipopolysacchariden (LPS) in der bakteriellen Wand fördern beispielsweise Entzündungen, denn das angeborene Immunsystem erkennt mit ihren Toll-like-Rezeptoren in Kombination mit spezifischen Proteinen die toxische Wirkung der LPS und aktiviert proinflammatorische Prozesse (Abb. 1). Sie kann zu Insulinresistenz führen, aber auch kardiovaskuläre Erkrankungen können gefördert werden.
Fisch, rotes Fleisch und Eier erhöhen Trimethylamin
Eine wichtige Rolle haben Mikroorganismen im Darm auch dann, wenn ihr Wirt zu viel Fisch, rotes Fleisch oder Eier verzehrt. Im Darm kommt dann reichlich Trimethylamin-N-Oxid an (TMAO), das durch die Mikroorganismen zu Trimethylamin umgebaut wird. Im Blut bildet sich daraus wieder TMAO – bekannt u. a. für seine Arteriosklerose fördernde Wirkung (Abb. 1).
Ziel: Dysbiose eindämmen
Ziel ist es also, die Bildung von SCFAs zu erhöhen und gleichzeitig LPS und TMAO im Darm zu reduzieren. Durch die Einnahme von Probiotika können diese Ziele erreicht werden. Dies konnte in Studien gezeigt werden: Die Probiotikaeinnahme wirkte sich positiv auf die Behandlung und den Verlauf von Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus.2-9 So können Probiotika
- das Lipidprofil verbessern
Es wird ein positiver Einfluss probiotischer Kulturen auf die Senkung der Rückresorption von Gallensäuren und Cholesterin und ebenso die Senkung der Cholesterinbildung im Darm diskutiert.2-5
- den Blutdruck regulieren
Probiotische Kulturen können z. B. Peptide bilden, die das Angiotensin-Converting-Enzym hemmen.6
- die Funktion der Endothelzellen verbessern
Probiotische Kulturen reduzieren die TMAO-Menge und vermindern so die arteriosklerotischen Veränderungen der Endothelien.6-9
Der Tipp
Achten Sie bei Herz-Kreislauf-Patient:innen auf die Ernährung und die Darmgesundheit. Probiotika können die Therapie sinnvoll unterstützen. Dies haben nicht zuletzt auch Studien gezeigt, in denen der therapeutische Erfolg einer Statin-Behandlung durch die Darmflora mitgetragen wurde.10,11
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