Etwa jede dritte Frau erleidet im Lauf ihres Lebens eine Osteoporose-bedingte Fraktur.1 Männer sind seltener betroffen. Eine gute Vitamin- und Mineralstoffversorgung könnte manchen Bruch verhindern. Die Bedeutung von Vitamin K wurde kürzlich erneut geprüft.2
Vitamin K spielt unbestritten eine wichtige Rolle im Körper, u. a. für den Knochenstoffwechsel. Bislang ließ sich jedoch aus Studien nicht ableiten, ob eine hohe Vitamin-K-Aufnahme bei Menschen über 50 Jahren einer Osteoporose oder einem Knochenverlust vorbeugen kann. Nun wurden Daten aus dem US-amerikanischen NHANES-Programm zu dieser Frage ausgewertet.2
5.075 Männer und Frauen über 50 Jahren wurden in der Studie berücksichtigt. Von ihnen lagen ausreichend Ernährungsprotokolle zur Vitamin-K-Aufnahme vor. Außerdem war bekannt, ob sie unter Osteoporose oder Osteopenie litten.
- 18 % der Studienteilnehmer:innen hatten eine Osteoporose.
- Bei 46 % der Männer und Frauen wurde eine Osteopenie festgestellt.
Bezüglich der Vitamin-K-Aufnahme über die Nahrung wurden drei Gruppen gebildet:
- wenig Vitamin K (< 65,95 mg/Tag Frauen; < 69,85 mg/Tag Männer)
- mittelmäßig viel Vitamin K (≥ 65,95 mg/Tag und < 129,40 mg/Tag Frauen; ≥ 69,85 mg/Tag und < 128,75 mg/Tag Männer)
- viel Vitamin K (≥ 129,40 mg/Tag Frauen; ≥ 128,75 mg/Tag Männer)
Die tägliche Zufuhr mit der Nahrung sollte 1 mg pro kg Körpergewicht betragen.1 Dabei handelt es sich um eine Zufuhrempfehlung für gesunde Menschen. Ob eine höhere Dosierung therapeutisch bei Osteoporose bzw. Osteopenie genutzt werden kann, lässt die Leitlinie des Dachverbands Osteologie aufgrund nicht ausreichender Studien aktuell noch offen.1
Eine mittlere Dosierung scheint auszureichen
Die Auswertung der NHANES-Daten zeigte, dass Frauen, die eine mittlere Dosierung, also zwischen 65 und 130 mg Vitamin K täglich aufnahmen, ein geringeres Osteoporose-Risiko trugen. Bei Männern zeigte sich dieser Effekt bei mittlerer Vitamin-K-Aufnahme nicht. Sie profitierten allerdings von einer hohen Vitamin-K-Aufnahme.
Effekt an den Lendenwirbeln am größten
Bei Frauen zeigten sich die größten Vorteile einer mittleren Vitamin-K-Aufnahme an den Lendenwirbeln. Eine hohe Vitamin-K-Zufuhr wirkte sich bei ihnen auch sehr gut am Oberschenkelhals aus. Grundsätzlich war eine hohe Vitamin-K-Aufnahme mit positiven Effekten auf alle untersuchten Knochen verknüpft.
Praxis-Tipp
65 bis 130 µg Vitamin K täglich könnten den Knochen vor dem übermäßigen Abbau schützen. Als natürliche Quellen kommen tierische und fermentierte Lebensmittel (Käse, Milchprodukte, Fleisch) oder Nahrungsergänzungsmittel in Betracht.
Achten Sie bei Ihren Patient:innen ergänzend zu Vitamin K auf weitere Bausteine:
- Vitamin C trägt zu einer normalen Kollagenbildung für eine normale Funktion der Knochen bei.
- Vitamin D trägt zu einer normalen Aufnahme und Verwertung von Calcium bei.
- Calcium wird für die Erhaltung normaler Knochen benötigt; es werden 1.000 mg täglich empfohlen.1
- Zink und Mangan tragen ebenso zur Erhaltung normaler Knochen bei.
- Vitamin B6, Vitamin B12 und Folsäure tragen zu einem normalen Homocystein-Stoffwechsel bei.
Auch wenn die Versorgung mit Mikronährstoffen über die Ernährung erfolgen sollte, ist dies in Deutschland in der relevanten Zielgruppe häufig problematisch:
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- Nur jede:r Fünfte ist ausreichend mit Vitamin D versorgt.3
- Nur gut ein Drittel der Frauen über 65 nimmt ausreichend Calcium zu sich.4
[1] AWMF online. S3-Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern ab dem 50. Lebensjahr. Verfügbar unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/183-001 [04.03.2025]. Letzter Zugriff am: 27. März 2025
[2] Guo J et al. Vitamin K intake levels are associated with bone health in people aged over 50 years: a NHANES-based survey. Front Med 2024;11:1485095.
[3] Rabenberg M, Mensink GBM. Vitamin-D-Status in Deutschland. J Health Monit 2016;1(2):36–42
[4] Max Rubner-Institut. Ergebnisbericht Teil 2 Nationale Verzehrsstudie II. Verfügbar unter: https://www.mri.bund.de/fileadmin/MRI/Institute/EV/NVSII_Abschlussbericht_Teil_2.pdf. Letzter Zugriff: 27.03.2025
