Studien zum besseren Hören durch Omega-3-Fettsäuren bei Menschen sind leider sehr selten. Die guten Effekte der hochwertigen Fettsäuren in Tierversuchen lassen aber vermuten, dass auch der Mensch von den Omega-3-Fettsäuren profitieren könnte. Ein Review-Artikel kommt nun zu dem Schluss, dass zweimal wöchentlich eine Portion Fisch geeignet sein könnte, den Hörverlust, der sich meist ab dem 50. Lebensjahr einstellt, hinauszuzögern.1
In Anbetracht des Risikos der Überfischung muss dieser Rat aber wohl überdacht werden.2 Die EAT-Lancet Kommission kommt zu dem Schluss, dass eine Portion Fisch wöchentlich verzehrt werden kann. Zur Deckung des Bedarfs an Omega-3-Fettsäuren müssen wohl weitere Quellen dienen.
Was Studien mit Tieren zeigen
- Es kommt auf das Verhältnis zwischen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren an:
- Studien zeigen, dass ein niedriges Verhältnis von Omega-3-Fettsäuren zu Omega-6-Fettsäuren die Nervenleitgeschwindigkeit im auditiven Weg verlangsamt.
- Die Zufuhr von Docosahexaensäure (DHA) sollte moderat sein.
- Eine hohe Zufuhr von DHA scheint das Wachstum des Nervensystems zu behindern und die Nervenleitgeschwindigkeit zu erhöhen. Eine moderate DHA-Zufuhr soll aber einen optimalen Einfluss auf gutes Hören haben.
- ➤Die Empfehlung der US-amerikanischen Food and Agriculture Organization (FAO) lautet: 250mg bis 1.000 mg EPA und DHA für Erwachsene3.
- Eine unzureichende Omega-3-Zufuhr kann den Alterungsprozess des Hörsystems beschleunigen.
- Omega-3-Fettsäuren können vor Entzündungen und oxidativem Stress im Innenohr schützen.
- Omega-3-Fettsäuren können die Blutzirkulation im Innenohr unterstützen.
- Eine Kombination von Omega-3-Fettsäuren mit Vitaminen E und Vitamin C könnte die Zellgesundheit und das Hörvermögen weiter verbessern.
Studien mit Erwachsenen deuten ebenso Vorteile an
Obwohl es in Bezug auf Studien zum Hörverlust bei Menschen mit einer defizitären Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren wenige Daten gibt und auch Nachholbedarf für Daten mit positiven Effekten der Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren auf das Hören besteht, können bereits einige Erkenntnisse festgehalten werden:
- Eicosapentaensäure (EPA) und DHA bieten Schutz vor Hörverlust.
- Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen dem Verzehr von 2-4 Fischportionen pro Woche und einem geringeren Risiko für Hörverlust.
- Omega-3-Fettsäuren sollten mit Vitamin E kombiniert werden.
- Es gibt Erkenntnisse darüber, dass durch die Kombination bei Erwachsenen ein verbesserter Hörschutz möglich ist.
- Omega-3-Fettsäuren, insbesondere Alpha-Linolensäure (ALA), erweisen sich als potenzielle Antioxidantien.
- Oxidativer Stress und Schäden an der mitochondrialen DNA sind zentrale Mechanismen bei altersbedingtem Hörverlust.
- Omega-3-Fettsäuren fördern das Gleichgewicht und die räumliche Orientierung.
- Bei Kindern werden insbesondere durch EPA sprachliche und auditorische Fähigkeiten gefördert.
Tipps für Ihre Patient:innen
Nicht jede:r isst gerne Fisch, zumindest nicht jede Woche. Deshalb sind alternative Quellen gefragt. Raten Sie zu
- Pflanzenölen
- Nüssen und
- Samen
Auch einige Gemüse enthalten zumindest eine Vorstufe der Omega-3-Fettsäuren (alpha-Linolensäure, ALA). Sie ist nicht so gut verwertbar wie EPA und DHA, aber dennoch eine Alternative. Wer damit nicht zurecht kommt, kann an Supplemente denken. Bei nachgewiesenem Mangel sollten Omega-3-Fettsäuren auf jeden Fall supplementiert werden. Ein Tipp ist es auch, die Aufnahme zunächst zu dokumentieren und bei Bedarf zu ergänzen.
[1] Rahimi, V et al. Omega-3 fatty acids and health of auditory and vestibular systems: a comprehensive review. Eur J Nutr 2024; 63:1453–1469
[2] EAT-Lancet Kommission. Abrufbar unter: https://eatforum.org/content/uploads/2019/01/EAT-Lancet_Commission_Summary_Report.pdf. Zuletzt abgerufen am: 03.07.2025
[3] Food and Agriculture Organization of the United Nation (FAO). Fats and fatty acids in human nutrition. Report of an expert consultation. Food Nutr Pap 2010; 91:1–166
