Frühe AMD: Welche Rolle spielen Fettsäuren?

Für den schützenden Effekt der Omega-3-Fettsäuren auf die Augengesundheit macht es keinen Unterschied, ob diese über die Nahrung oder über Supplemente aufgenommen werden. Wichtig ist, dass es ausreichende Mengen sind. Auf die Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren zu achten, ist daher ein wertvoller Praxis-Tipp für gesundes Sehen.

Omega-3-Fettsäuren sind bei der frühen Makuladegeneration deshalb so bedeutsam, weil der Gehalt an Lipiden in der Retina sehr hoch ist. Etwa 45 % der Fettsäuren in der Retina bestehen aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Es liegt auf der Hand, dass eine gute Versorgung damit die Retina unterstützen kann. 

Zusammenhang zwischen Omega-3-Fettsäuren und früher AMD bestätigt 

Tatsächlich besteht ein Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren und dem Auftreten der frühen altersbedingten Makuladegeneration1. In einer aktuellen Studie wurde dies überprüft: 

  • Als Datenbasis wurden Studienteilnehmer:innen aus der US-amerikanischen NHANES-Studie genommen. 
  • 6.797 Menschen, die daran teilnahmen, waren über 40 Jahre alt. 
  • Von 5.401 dieser Personen waren komplette Untersuchungsdaten in Bezug auf eine altersbedingte Makuladegeneration verfügbar. 
  • Von 4.702 Personen standen auch die Ernährungsprotokolle zur Verfügung. 
  • Von diesen Personen entwickelten 328 Männer und Frauen (ca. 7 %1) in einem Zeitraum von 4 Jahren eine frühe altersbedingte Makuladegeneration. 

Wurden nun die Ernährungsprotokolle betrachtet und die Proband:innen in vier Gruppen mit einer unterschiedlich hohen Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren eingeteilt, so konnte festgestellt werden, dass diejenigen mit der höchsten Aufnahme von Eicosapentaensäure (EPA), Docosapentaen- (DPA) und Docosahexanensäure (DHA) das geringste Risiko für eine frühe altersbedingte Makuladegeneration trugen. 

Effekte auf die späte AMD bleiben unklar 

Für die viel seltenere, späte altersbedingte Makuladegeneration konnten diese Zusammenhänge nicht festgestellt werden. Dabei machte es keinen Unterschied, ob es sich um eine trockene oder die feuchte Form der späten AMD handelte. Allerdings betrug die Anzahl an Männern und Frauen mit einer späten altersbedingten Makuladegeneration lediglich n=46 – womöglich eine zu kleine Zahl an Proband:innen, um einen Unterschied zu finden. 

Es fehlen große, longitudinale Studien 

Die Autor:innen der zitierten Studie fordern nun groß angelegte, longitudinale, randomisierte kontrollierte Studien, die einerseits die Makuladegeneration eindeutig belegen und andererseits die Aufnahme an Omega-3-Fettsäuren gut dokumentieren. Bis diese Studien vorliegen, können Sie Ihren Patient:innen  raten auf eine ausreichende Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren achten. Dies kann nicht nur eine frühe altersbedingten Makuladegeneration verzögern, sondern bietet weitere gesundheitliche Vorteile.  

Die deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE)
empfiehlt eine tägliche Aufnahme von


250 mg EPA und 250 mg DHA

[1] Jiang, B et al.: Association between dietary consumption of fatty acids and age-related macular degeneration in the National Health and Nutrition Examination Survey. Sci Rep 2024; 14:11016 

[2] Wong, WL et al. Global prevalence of age-related macular degeneration and disease burden projection for 2020 and 2040: A systematic review and meta-analysis. Lancet Glob Health 2014; 2:e106