Endometriose – eine Frage der Ernährung?

Die Östrogen-abhängige chronisch-entzündliche Endometriose ist für Frauen ein leidvoller alltäglicher Begleiter. Und es sind gar nicht wenige davon betroffen: Etwa jede Zehnte leidet an Dysmenorrhoe, starken Unterleibsschmerzen und Unfruchtbarkeit.1 Eine kurative Therapie gibt es nicht. Die Beschwerden können chirurgisch angegangen werden. Außerdem helfen Schmerzmittel, manchmal auch Hormone (Gestagene). Insgesamt ist die Behandlung anspruchsvoll und löst oft die Probleme nur unbefriedigend – ein weiterer negativer Faktor für die Lebensqualität der betroffenen Frauen. Sie sind stets auf der Suche nach Tipps und Tricks, die Symptomlast zu lindern. Es gibt einige aktuelle Untersuchungen, die Lifestyle-Veränderungen eine Rolle beimessen. Sie sind meist mit weniger Nebenwirkungen verbunden und sind dabei recht erfolgreich – vielleicht nicht für jede Frau, aber doch für viele.

Das Darm-Mikrobiom modulieren

Dem Darm-Mikrobiom scheint bei Endometriose eine vielfältige Bedeutung zuzukommen.2-4 Die Zusammenhänge sind sehr komplex. Einerseits hat das Mikrobiom einen Einfluss auf den Östrogenspiegel und kann so die Beschwerden lindern. Das Mikrobiom selbst wird aber wiederum vom Östrogenspiegel (und anderen Sexualhormonen) beeinflusst – zumindest betrifft dies diejenigen Mikroorganismen, die mit Östrogenen etwas anfangen können – das Östrobolom. So konnte beispielsweise nachgewiesen werden, dass die Einnahme von Antibiotika die Östrogenspiegel senken kann. β-Glucuronidase kann Östrogene in ihre aktive Form versetzen. Mikroorganismen, die dieses Enzym produzieren, können sich daher ungünstig auf die Endometriose auswirken. Bislang sieht es so aus, als würden Frauen mit Endometriose häufig Laktobazillen fehlen, während zu viele Escherichia-Arten und Shigellen im Darm vorkommen. Eine Dysbiose in diese Richtung sollte daher vermieden werden, um die Östrogenspiegel-erhöhenden Mikroorganismen nicht die Überhand gewinnen zu lassen.2

Vieles deutet auch darauf hin, dass das Mikrobiom das Entzündungsgeschehen beeinflusst und so auch indirekt den Schmerz moduliert – ganz unabhängig vom Östrogenspiegel.2-4 Auch hier zeigen sich Escherichia und Shigellen als inflammationsfördernd und Laktobazillen als positive Gegenspieler. Allerdings ist es noch zu früh, konkrete Empfehlungen für eine spezifische probiotische Therapie abzugeben.2-4 Vieles spricht für die Laktobazillen und eine gute Mischung anderer positiv auf die Darmgesundheit wirkender Mikroorganismen.

Pflanzenbetonte Ernährung

Andere Studien beschäftigten sich mehr mit der Ernährung als mit dem Mikrobiom selbst und fanden heraus, dass sich eine pflanzenbetonte Ernährung positiv auf die Endometriose auswirken kann.1,5 So konnte der Verzehr von Gemüse und von Milchprodukten die Endometriose-Beschwerden positiv beeinflussen.5 In einem anderen Review wurden einzelne Nährstoffe betrachtet. Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe sowie Omega-3-Fettsäuren und Proteine können für mehr Wohlbefinden eine Rolle spielen (Abb. 1).1

Als Antioxidanzien sind die Vitamine C und E bedeutsam. Aber auch Vitamin D kann unterstützend wirken. Manche Polyphenole, die reichlich in Gemüse und Obst enthalten sind – Resveratrol aus Trauben beispielsweise –, können die Menge an Entzündungsmediatoren senken und die Invasivität der endometriösen Stromazellen reduzieren. Insgesamt hat sich gezeigt, dass sich eine mediterrane Ernährung positiv auf Endometriose-Beschwerden, insbesondere auf Schmerzen, auswirken kann.1 Große Mengen an Koffein (> 300 mg täglich) fördern hingegen den Schmerz.

Tipps für die Praxis

Eine Umstellung der Ernährung im Sinne eines mediterranen Ernährungsmusters scheint sich positiv auf die Endometriose auszuwirken. Die Rolle der Ernährung bleibt aber komplex und die Studienlage leider noch dünn. Dennoch: Viele Frauen mit Endometriose sind durchaus motiviert, an der Ernährung zu „schrauben“. Ein Selbstversuch kann immerhin Klarheit bringen. Deshalb:

 

  • Fragen Sie Frauen nach ihren Erfahrungen mit Lebensstilveränderungen.
  • Erläutern Sie die Datenlage: „Es gibt Hinweise auf positive Effekte…“
  • Raten Sie zu

– mehr Gemüse und Obst,

– Ballaststoffen,

– Milchprodukten,

– mehr Omega-3-Fettsäuren

– einer ausgeglichenen Vitamin- und Mineralstoffzufuhr

– zur mediterranen Ernährung

Allein Ihr Interesse kann Frauen motivieren, sich mit der Ernährung zu beschäftigen und ggf. Erfolge zu erzielen. Ernährung ist eine gute Stellschraube, um selbstwirksam etwas für sich zu tun und die Erkrankung unter Kontrolle zu bringen. Und machen Sie deutlich: Die Ernährung ist nicht schuld an der Endometriose, sie ist aber eine Möglichkeit, die Beschwerden zu lindern.

[1] Zhou L, et al. Effect of dietary patterns and nutritional supplementation in the management of endometriosis: a review. Front Nutr 2025;12:1539665

[2] Qi X, et al. The impact of the gut microbiota on the reproductive and metabolic endocrine system. Gut Microbes 2021;13(1):e1894070 

[3] Zizolfi B, et al. Endometriosis and dysbiosis: State of the art. Front Endocrinol 2023;14:1140774 

[4] Baker J, et al. Estrogen–gut microbiome axis: Physiological and clinical implications. Maturitas 2017;103:45–53 

[5] Neri LCL, et al. Diet and Endometriosis: An Umbrella Review. Foods 2025;14:2087