Typ-2-Diabetes und Depression: Zusammenhang beachten

Krankenhausdaten legten die Vermutung schon nahe, nun ist es offiziell: Es gibt eine wechselseitige Beziehung zwischen Diabetes mellitus (Typ 2) und Depression. Die Erkenntnis beruht auf einer Auswertung von deutschen Gesundheitsdaten, die zwischen 2012 und 2022 erhoben wurden.

Diabetes mellitus kann Depressionen auslösen…

Zunächst wurden aus der Datenbank über drei Jahre diejenigen Erwachsenen selektiert, die weder an einem Diabetes noch an einer Depression litten. Personen, die dann ab 2015 einen Diabetes entwickelten, aber keine Depression, wurden mit einer Gruppe ohne Diabetes und Depression verglichen. Beide Gruppen wurden dann über acht Jahre beobachtet. Patient:innen mit Diabetes tragen demnach ein um 22,7 % erhöhtes Risiko, in den Folgejahren auch an einer Depression zu leiden, im Vergleich zu der Population ohne Diabetes.

Depressionen können Diabetes verursachen…

Eine vergleichbare Untersuchung wurde bei Menschen mit Depression durchgeführt: Personen, die drei Jahre nach Einschluss in die Untersuchung die Diagnose „Depression“ erhielten, aber keinen Diabetes hatten, wurden mit Menschen ohne diese beiden Indikationen verglichen. Bei Menschen mit Depression kam es zu einem um 15,3 % erhöhten Risiko für Diabetes. Der Zusammenhang scheint bei jüngeren Menschen sehr viel deutlicher zu sein als bei älteren. Je schwerer eine Person von einer der beiden Erkrankungen betroffen ist, desto höher scheinen die Risiken zu sein. Auch wird vermutet, dass junge Menschen mit Diabetes oder Depression per se eine höhere Krankheitslast tragen.

Gründe gibt es viele…

Welche Mechanismen hinter diesem wechselseitigen Zusammenhang stehen, wurden im Rahmen der Studie diskutiert. So scheint sich der veränderte Insulinsignalweg bei Diabetes sowie eine Aktivierung des Stresssignalwegs auf das Depressionsrisiko auszuwirken. Die Diagnose chronischer Erkrankungen bereitet über soziale und emotionale Belastungen den Boden für die Depression. Das erhöhte Risiko für Depression nach Diabetes blieb auch bestehen, wenn weitere Einflüsse, wie ein niedriger sozioökonomischer Status, herausgerechnet wurden. Das Risiko für Diabetes steigt im Verlauf der Zeit kontinuierlich mit dem Alter an. Das Depressionsrisiko hat seinen Peak im mittleren Erwachsenenalter und sinkt im Verlauf wieder.

Mehr Aufmerksamkeit für diese Zusammenhänge

In der Praxis hat der wechselseitige Zusammenhang zwischen Diabetes und Depression eine große Bedeutung:

  • Bei Depressionen ist ein Blick auf den Blutzucker entscheidend.
  • Womöglich können Antidepressiva zum Zuge kommen, die keinen negativen Effekt auf den Kohlenhydratstoffwechsel haben.
  • Eine kognitiv-behaviorale Therapie scheint einen positiven Effekt auf die Vermeidung eines Diabetes zu haben.
  • Bei Diabetes sollten regelmäßig Tests zur mentalen Gesundheit durchgeführt werden.
  • Bei Diabetes an die Psyche denken und bei Depression den Blutzucker im Auge behalten!

[1] Chae WR et al. Eight-year nationwide study of the bidirectional association between type 2 diabetes and depression in nearly 8 million German outpa-tients. BMJ Open Diabetes Res Care. 2024;12(3):e003903.