Stress aktiviert sowohl die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse) als auch das sympathische Nervensystem. Die resultierenden erhöhten Cortisol-, Adrenalin- und Noradrenalinspiegel stellen eine erhebliche Belastung für Körper und Psyche dar. Ein aktueller Review zeigt, dass Stress gleichzeitig zu Defiziten ausgewählter Mikronährstoffe führen kann1. Besonders häufig betroffen sind Magnesium und Zink, aber auch Eisen, Calcium und Niacin zeigen stressabhängige Veränderungen.
Im Fokus: Magnesium
Die Datenlage zu Magnesium ist besonders umfangreich:

Einfluss auf Zink, Eisen und Calcium
Auch Zink reagiert sensibel auf Stressoren: So führt psychologischer Stress zu sinkenden Serumzinkspiegeln und erhöhter Leberakkumulation. Die intestinale Absorption ist reduziert. Ein Abfall der Zinkkonzentrationen im Serum unter Stresseinfluss wurde bereits mehrfach beschrieben.
Psychologischer Stress kann sowohl das Serum- als auch das Knochenmarks-Eisen sowie die Hämoglobinwerte reduzieren. Die Effekte sind heterogen, auch in Bezug auf die zugrundeliegenden Mechanismen.
Die Calcium-Antwort auf Stress ist komplex:
- Chronischer Stress kann zu erhöhten Blutcalciumwerten führen, die ansonsten gut reguliert sind.
- Politischer/militärischer Stress kann dagegen niedrigere Plasma-Calciumwerte auslösen.
- Im Isolationsexperiment wurde das Serumcalcium nach 30 Tagen um 16 % gesenkt.
- Bei Lärmexposition kommt es zu einem unmittelbaren Anstieg der Serumcalciumwerte.
- Bei Prüfungsstress und Marathonlauf kommt es hingegen nicht zu Veränderungen.
- Psychologischer Stress korreliert mit niedrigerer Knochendichte.
Fazit für die Praxis
Stress kann den Mikronährstoffgehalt in verschiedenen Kompartimenten – insbesondere im Blut – in sehr unterschiedlicher Weise verändern. Dabei spielt offenbar eine Rolle, ob es sich um physischen oder psychischen Stress handelt.
Der Reviewartikel trifft keine Aussagen zu gezielten Supplementierungs-Strategien bei spezifischen Stressformen. Dies war allerdings auch nicht Gegenstand der Analyse. Wichtig zu wissen: Stress kann den Mikronährstoffstatus verändern und damit die Grundlage für Symptome wie Erschöpfung und Müdigkeit schaffen.
[1] Lopresti AL, et al. The Effects of Psychological and Environmental Stress on Micronutrient Concentrations in the Body: A Review of the Evidence. Adv Nutr 2019;11(1):103–112
