Grippewelle: Entzündungen frühzeitig behandeln

Hintergrund

Gefährdete Menschen, Schwangere ab dem 2. Trimenon und Senior:innen gehören zu der Personengruppe, die sich gemäß Robert-Koch-Institut (RKI) jedes Jahr im Herbst gegen Grippe impfen lassen sollten.1 Unter den gefährdeten Menschen und Senior:innen befinden sich einige, die an chronischen Entzündungen leiden. Nun konnte in einer Studie gezeigt werden, dass gerade die Älteren mit oft keine guten Impftiter erreichen: Hohe Interleukin-15 (IL15)-Konzentrationen im Plasma stehen dem im Weg.2 Junge Menschen mit chronischen Entzündungen, die einen hohen Spiegel an Nuklear-Faktor kB aufweisen, zeigten hingegen eine gute Impfreaktion. Nun wäre es gut zu wissen, ob es Biomarker gibt, die einen guten Impferfolg andeuten und ob der Impferfolg durch die Kontrolle der Entzündung verbessert werden kann.

Unterschiede zwischen Jungen und Alten

In der Studie konnte im Vergleich zwischen jüngeren und älteren Menschen auch gezeigt werden, dass der Anteil der an der Entzündung beteiligten Monozyten und zytotoxischen natürlichen Killerzellen (NK) in der älteren Bevölkerung höher ist als in der jüngeren.2 Außerdem reagieren die B-Zellen weniger gut, was auf Defekte bei T- und B-Zellen zurückzuführen ist. Darüber hinaus häufen ältere Menschen proinflammatorische B-Zellen an, die auf eine Grippeimpfung nicht wirksam ansprechen. Es wurden auch Metabolite im Serum von 234 Männern und Frauen in zwei aufeinanderfolgenden Impfsaisons untersucht. Ein Unterschied zwischen den Geschlechtern konnte nicht beobachtet werden.

Aminosäuren und Fettsäuren unter Verdacht

Es wurde vermutet, dass manche Aminosäuren oder Fettsäuren eine Rolle für die Immunantwort nach einer Impfung spielen könnten. Ungesättigte langkettige Fettsäuren scheinen eine wichtige Rolle zu spielen: Sie sind bedeutsame immunmodulatorische Stoffwechselprodukte zum Schutz vor Infektionen. Besonders Pentadecansäure, eine Fettsäure mit entzündungshemmenden Eigenschaften und Resistenz gegenüber Oxidation, kam besonders häufig bei denjenigen vor, die gut auf die Impfung ansprachen. Die Wirkung der langkettigen Fettsäure scheint aber wiederum altersabhängig zu sein: Sie ist besonders bei älteren Menschen effektiv.2

Tipp für die Praxis

Chronische Entzündungen gefährden den Impferfolg. Entzündungen im Griff zu haben kann bei älteren Menschen voraussichtlich den Impferfolg erhöhen. Die Kontrolle von Entzündungsparamtern u.a. Blutuntersuchungen ist daher sinnvoll.

[1] Robert-Koch-Institut (RKI). Abrufbar unter: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Impfen/Influenza/FAQ-Liste_gesamt.html#entry_16870876, Zuletzt abgerufen am: 31.07.2025 

[2] Kumar, S et al. Systemic dysregulation and molecular insights into poor influenza vaccine response in the aging population. Sci Adv 2024; 10(39): eadq7006